Der Kampf gegen Raser zerstört den Planeten

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Verkehrsberuhigende Maßnahmen: Blitzer

Jedes Jahr werden Hunderte verkehrsberuhigende Maßnahmen geplant und gebaut. Für den Bau werden keine Kosten und keine Mühen gescheut. Dabei werden Kollateralschäden an Mensch und Umwelt von den Städten und Gemeinden wohlwollend in Kauf genommen.

Mit diesem Beitrag möchte ich dich anregen, über die Sinnhaftigkeit einiger Maßnahmen nachzudenken und auch mal den Aspekt Umwelt in Betracht zu ziehen. Mir ist bewusst, dass es auch sinnvolle verkehrsberuhigende Maßnahmen gibt und dass es von Stadt zu Stadt und von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt wird.


Verkehrsberuhigende Maßnahmen:


Ampeln

Über eine rote Ampel hat sich jeder schon mal aufgeregt. Gerade unter Zeitdruck sind Ampeln ein unangenehmer Stressfaktor. Aber auch während der Sonntagsfahrt können einem die Ampeln gehörig auf die Nerven gehen.

Im Kampf gegen Raser werden die Ampeln an Hauptverkehrsrouten meistens dauerhaft auf Rot geschaltet. Nicht nur tagsüber, sondern auch in der Nacht. Und so stehst du dort ganz allein in der Dunkelheit. Weit und breit kein weiterer Verkehrsteilnehmer in Sicht. Die Ampel schaltet auf grün und du kannst anschließend zur nächsten Ampel weiterfahren. Durchquerst du größere Städte, darfst du das Spielchen auch gern 20 Mal wiederholen.

Aber selbst tagsüber habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Ampeln aus Prinzip rot anzeigen. Die rote Welle ist scheinbar die Standardeinstellung. Dabei könnte man so leicht ungehindert weiterfahren und CO2 einsparen.

Oftmals stehen wir nur vor der Ampel, wegen der Ampel selbst und nicht wegen anderen Verkehrsteilnehmern. Teilweise befindet sich an den Stellen nicht einmal eine Kreuzung oder Ähnliches. Die Ampel steht dort, weil sie dort steht. Punkt.

Das ständige Bremsen und Anfahren schadet dabei nicht nur der Umwelt. Viele Anwohner fühlen sich durch den Lärm und die Abgase beeinträchtigt. Außerdem wird auch der Asphalt zusätzlich belastet und muss vermehrt erneuert werden.

Möchte man gegen Raser vorgehen, dann sind an diesen Stellen Blitzer, Blitzer-Attrappen oder einfach nur „Achtung Radar“ Beschilderungen eindeutig die bessere Wahl. Niemand steht gern grundlos an einer Ampel und das sollte der Umwelt zu Liebe auch nicht der Fall sein!

Verkehrsberuhigende Maßnahmen: Ampelbaum

Blitzer

Ich habe in meinem Leben zum Glück nicht einen einzigen Punkt bekommen. Den Blitzern konnte ich trotzdem nicht entgehen. Es gibt ein paar gute Gründe, warum ich Blitzer nicht leiden kann. Der Umweltschutz ist jedoch einer meiner Hauptgründe.

Blitzer haben auf jeden Fall eine Daseinsberechtigung. Oft aber nicht dort, wo sie platziert werden. Daher bemängeln viele Menschen die Tatsache, dass die Blitzer vorwiegend an Stellen stehen, an denen die Gemeinden gut Geld verdienen können. Von Gefahrenstellen ist häufig keine Spur.

Das Geld ist die eine Sache, aber täglich komplette Autobahnen auszubremsen und die Emissionen deutschlandweit zu erhöhen, ist die andere Sache. An einigen Autobahn Abschnitten werden ohne triftigen Grund zehntausende Fahrer genötigt ihre Geschwindigkeit für einige Kilometer zu drosseln, nur um danach wieder Vollgas geben zu dürfen. Das Ganze, obwohl sich weder eine Auffahrt bzw. Abfahrt auf dem Abschnitt befindet, noch Staugefahr besteht.

Vom Umweltaspekt her sind überflüssige Blitzer eine absolute Katastrophe, da so gut wie jedes Fahrzeug runter bremsen muss, um dann wieder zu beschleunigen. Der Hintermann muss noch stärker bremsen und so weiter. Das führt bei hohen Verkehrsaufkommen auch mal zu Stausituationen.

Eingriff in den Straßenverkehr

Selbst nachts musst du dich vor Blitzern fürchten. Obwohl kaum Verkehr auf den Straßen ist, arbeiten die Radarfallen munter weiter. Aber dafür mit einer ganz besonderen Eigenschaft: Ein grelles Blitzlicht. Ich selbst empfinde die Blitzlichter auf der Straße, als einen schweren Eingriff in den Straßenverkehr.

Sie ziehen automatisch die Aufmerksamkeit von allen Fahrern in der Gegend auf sich und lenken vom Straßenverkehr ab. Genau wie bei einem Unfall fangen die Menschen an zu gaffen. Der geblitzte Fahrer befindet sich automatisch in einer Schrecksituation und schaut als erstes auf den Tacho und nicht mehr auf die Straße. Tausend Fragen schießen dem Fahrer durch den Kopf und die Konzentration ist dahin.


Bremsschwellen

Bremsschwellen dienen dem Zweck, den Verkehrsfluss zu verlangsamen. Es gibt sie in allen erdenklichen Größen und Formen. Vorwiegend werden sie in verkehrsberuhigten Zonen eingesetzt und sollen Raser vom Rasen abhalten.

Hinweise in Form von Schildern gibt es allerdings oft nicht, was zu heftigen & plötzlichen Schlägen führt. Dadurch können teilweise Schäden am Fahrzeug hervorgerufen werden, auch wenn die geforderte Geschwindigkeit eingehalten wurde. Gerade für tiefer liegende Fahrzeuge sind Bremsschwellen ein wahres Hindernis. Selbst mit Schrittgeschwindigkeit sind diese Bauten nicht ohne Schäden zu überqueren.

Was den Verkehrsfluss eigentlich beruhigen soll, führt teilweise zum Stillstand oder im Anschluss zu aggressivem Fahrverhalten. Egal wie, es resultiert im Bremsen und erneutem Anfahren. Und das oft mehr als zwei oder drei Mal hintereinander. Das belastet nicht nur die Straße, sondern schadet auch der Umwelt.


Geschwindigkeitsabhängige Ampelsteuerung

Die mit Abstand klimafeindlichste verkehrsberuhigende Maßnahme, ist die Ampel mit geschwindigkeitsabhängiger Steuerung. Eine Ampelschaltung, die auf Rot schaltet, sobald jemand zu schnell fährt. Geschädigt werden dabei aber nicht nur die Raser, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer, die wegen der Raser dann gleichermaßen an der Ampel warten müssen.

Aber nicht nur das! Das Warten veranlasst die Leute dann zusätzlich dazu, mit quietschenden Reifen loszufahren, den Motor aufheulen zu lassen oder sogar zu hupen. Genau aus dem Grund werden in Wohngebieten oft Kreisverkehre eingesetzt. Damit kann man die Anwohner schützen und die Autofahrer werden nicht zu solchen Aktionen genötigt.

Vor ein paar Jahren habe ich mit einem Kollegen mal eine dieser Ampeln länger beobachtet. Es war schon etwas spät am Abend, also genau die richtige Zeit, da die Leute abends etwas schneller unterwegs sind. Anstatt sich der verkehrsberuhigenden Maßnahme zu beugen, haben die zügigen Verkehrsteilnehmer stattdessen versucht noch über die Ampel drüber zu kommen. Statt ein paar km/h zu schnell durch die 70 Zone zu fahren, sind sie dann mit über 100 bei gelb drübergefahren oder mussten mit einer Vollbremsung zum Stehen kommen.


Kreisverkehre

Die im Volksmund oft als „Kreisel“ bezeichneten Verkehrsstrukturen sollen in erster Linie einen homogenen Verkehrsfluss gewährleisten. Sie sollen die Ampeln ersetzten, die zu unnötigem Warten und Anfahren führen. Doch hier entsteht bereits das Problem:

Oftmals waren die Ampelschaltungen schon überflüssig und der Verkehr hätte sich von allein geregelt. Und ich rede hier nicht von den riesigen Knotenpunkten in Städten. Ich rede von den kleinen Dörfern, mit Kreisverkehren so groß, dass nicht mal ein Smart drum herumfahren kann.

Aber selbst in Kleinstädten verfehlen Kreisverkehre oft ihr Ziel. In meiner Heimatstadt wurden vor einigen Jahren direkt zwei hintereinander gebaut und haben die damaligen Ampelschaltungen vollständig ersetzt. Die Folgen sind jetzt tägliche Staus durch die komplette Stadt, während des Berufsverkehrs.

Kreisverkehre sollen unter anderem die zügigen Verkehrsteilnehmer daran hindern, einfach ungebremst über die Kreuzung zu fahren. Dennoch stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, einen unnötigen Kreisverkehr zu bauen, um ein paar Raser im Zaum zu halten.

Löst ein Blitzer an dieser Stelle nicht eher das Problem? Müssen jetzt jeden Tag Millionen Menschen an jedem Kreisverkehr bremsen und wieder beschleunigen wegen ein paar Rasern?

Das Phänomen tritt vielfach auch auf Landstraßen auf. Eine gerade Strecke ohne eine Möglichkeit abzubiegen. Hier befinden sich dennoch alle ein bis zwei Kilometer Kreisverkehre.

Ohne die Kreisverkehre könnten die Autofahrer ungehindert weiterfahren. Ohne zusätzliche Emissionen. Zwar dienen die Kreisverkehre auch als Wendepunkt für LKW und Schwertransporter, ich bezweifle aber, dass man wirklich zehn Wendemöglichkeiten auf zehn Kilometer Strecke benötigt.


Verkehrsberuhigende Maßnahmen: Kuhschild

Parken auf der Straße

Neuerdings gibt es einen Punkt, wenn du für eine längere Zeit auf dem Bürgersteig parkst. Einen Punkt, weil du parkst… Anstelle des Bürgersteigs soll jetzt die Straße herhalten. Die Autos parken jetzt platzsparend auf der Straße. Das führt nicht nur zu Staus, sondern auch zu lebensgefährlichen Situationen für jeden Verkehrsteilnehmer. Während der Fahrt stehst du jetzt vor völlig neuen Herausforderungen:

Beispielsweise musst du jetzt mit einem einzelnen Überholmanöver gleich neun parkende Autos in einer Kurve oder vor einem Hügel überholen. Natürlich wie ein Geisterfahrer auf der Gegenfahrbahn. Da freut man sich immer wieder, wenn einem der Gegenverkehr rücksichtsvoll mit Schrittgeschwindigkeit entgegenkommt.

Außerdem musst du jetzt jedes Mal auf beide Fahrtrichtungen Acht geben, wenn du versuchst in dein parkendes Auto zu steigen. Und ohne eine Spur für Radfahrer besteht für dich beim Fahrradfahren ebenfalls weitaus mehr Gefahr, seit die Autos vollständig auf der Straße parken müssen.

Das Parken auf der Straße führt wieder zu unnötigen Staus, Bremsen, Anfahren und damit zu weiteren Emissionen.


Wartung & Reparatur der verkehrsberuhigenden Maßnahmen:

Ein Punkt über den man ebenfalls nachdenken sollte, sind die Wartungs- und Reparaturkosten, die durch verkehrsberuhigende Maßnahmen entstehen. Dabei haben alle verkehrsberuhigenden Maßnahmen eine Gemeinsamkeit: Bremsen & Gas geben.

Es werden oftmals blind Stausituationen hervorgerufen. Dadurch wird der Asphalt bis ans Äußerste belastet, der Verbrauch des Autos steigt und der Verschleiß an der Straße wird künstlich erhöht. Die Kosten werden von den Steuerzahlern und von der Umwelt getragen.

Um die Schäden an der Straße zu beheben werden dann Baustellen eingerichtet. Während der Bauarbeiten kommt es auf der Straße erneut zu Stausituationen und es entstehen weitere Verschleißerscheinungen an der nächsten Stelle. Oder die Straße wird komplett gesperrt und alle Verkehrsteilnehmer sind gezwungen einen längeren Umweg in Kauf zu nehmen.

Nicht zu vergessen ist dann noch der Energieaufwand für all die Ampel- und Blitzeranlagen, die gar nicht gebraucht werden. Dann müssen sowohl Blitzer, als auch Ampel geeicht und gewartet werden. Es fahren also immer wieder Leute für Wartungsarbeiten dort hin und jagen dabei noch mehr Emissionen in die Luft.


Verärgerte Autofahrer

Es gibt genügend Autofahrer, die bei „verkehrsberuhigenden“ Maßnahmen sofort durch die Decke gehen. Sie reagieren mit einer aggressiven Fahrweise und treten das Gaspedal oder die Hupe. Andere wiederum werden unkonzentriert und lassen sich ablenken.

Und einige machen aus den Maßnahmen einen Wettbewerb und versuchen ungebremst durch den Kreisverkehr zu fahren oder mit durchgetretenem Gaspedal über die gelbe Ampel zu kommen. Somit bewirken gerade die unnötigen verkehrsberuhigenden Maßnahmen eher das Gegenteil und heizen die Fahrer weiter an.


Fazit – Verkehrsberuhigende Maßnahmen:

Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Natürlich gibt es immer Stellen, an denen ein Kreisverkehr einer Ampel vorzuziehen ist oder Bereiche, in denen nur Bremsschwellen das gewünschte Ergebnis erzielen. Es gibt auch Städte, die eine hervorragende grüne Welle vorweisen können und Blitzer aufstellen, die wirklich an Gefahrenstellen stehen. Leider sind das erfahrungsgemäß die Ausnahmen.

Wenn du dir nur einzelne Blitzer, Ampelschaltungen oder Kreisverkehre anschaust, dann wirken die verursachten Emissionen auf den ersten Blick gar nicht so schlimm. Auf die ganze Welt betrachtet, summieren sich all diese Brems- und Beschleunigungsvorgänge allerdings und bringen uns einen größeren Schaden, als wir jemals damit abwenden können.

Hinzu kommt, dass im Kampf gegen die Raser meistens nur unachtsame Fahrer in die Schusslinie geraten. Die Raser selbst bleiben verschont oder machen sich aus den Maßnahmen noch einen Spaß. Verkehrsberuhigende Maßnahmen sollten also mit Bedacht eingesetzt werden und nicht wahllos den Asphalt pflastern.