Die Belastungen der Meere

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Die Belastungen der Meere

Etwa 71% der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt. Nicht ohne Grund wird die Erde als der „blaue Planet“ bezeichnet. Vom Weltall aus wirken die Meere vollkommen klar und makellos. Zoomen wir allerdings näher ran, macht sich schnell bemerkbar, welchen Belastungen die Meere ausgesetzt sind.

Dabei bilden die Weltmeere den größten Lebensraum unseres Planeten. Die vielfältige Flora und Fauna bindet Kohlenstoffdioxid und produziert über 70% des gesamten Sauerstoffs auf unserem Planeten. Die Weltmeere sind Wärmespeicher und Temperaturpuffer zugleich und beeinflussen dadurch das Weltklima. Somit ist der Zustand der Meere von existenzieller Bedeutung für alle Lebewesen auf der Erde.


– Belastungen der Meere –

Überfischung

Durch die Überfischung greift der Mensch gravierend in das empfindliche Ökosystem ein. Die zu hohen Fangmengen sorgen dafür, dass nicht mehr genügend Fische durch natürliche Vermehrung oder Zuwanderung nachwachsen. Selbst wenn der Fischfang für mehrere Jahre ausgesetzt wird, können sich die Bestände nur mühselig erholen. Denn der frei gewordene Lebensraum wird oft von anderen Fischen besetzt.

Neben dem eigentlichen Fangziel landen auch Unmengen an Beifang in den Fischernetzen. Der Beifang ist meist wesentlich höher, als die gewünschte Beute. Der Großteil stirbt bereits in den Netzen und wird als Abfall über Bord geworfen.

Zusätzlich sorgt die Überfischung dafür, dass einige Fischarten einen evolutionären Vorteil bekommen. Kleinere Fische, die den Netzen leichter entkommen können und Fischarten, die früher geschlechtsreif sind, vermehren sich dadurch schneller und besser. Das wirkt sich auf die gesamte Nahrungskette aus. Langfristig werden die Fische also immer kleiner.

Die Überfischung führt uns auch gleich zum nächsten Problem:

Plastikmüll

Bis zu 50% des Plastikmülls in den Meeren lässt sich auf die Fischerei zurückführen. Die zurückgelassene oder verlorene Fischereiausrüstung geistert bis in alle Ewigkeit umher und fischt dabei ungehindert weiter. Zahlreiche Meerestiere, die sich in alten Netzen verfangen, sterben dadurch einen qualvollen Tod. Das lockt wiederum weitere Meerestiere an, die sich dann ebenfalls verfangen.

Aber nicht nur Fischereiausrüstung ist für die Lebewesen gefährlich. Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer. Die Kunststoffpartikel werden häufig mit Nahrung verwechselt. Dadurch kommt es vor, dass einige Tiere an einer Mangelernährung sterben. Hinzu kommt, dass bei der Zersetzung von Kunststoff giftige und hormonell wirkende Zusatzstoffe abgegeben werden. Diese Zusatzstoffe landen durch den Nahrungskreislauf in nahezu jedem Organismus.

Der Müll ist wahrscheinlich eine der größten Belastungen für die Meere. Was du unternehmen kannst, um diese Umweltverschmutzung zu stoppen, haben wir in dem Beitrag „Plastikmüll reduzieren“ für dich festgehalten.

Öl- und Gasförderung

Die Förderung, der Transport und die Suche nach Öl und Gas ist eine massive Bedrohung für die Ozeane. Bei der Erschließung neuer Rohstoffvorkommen werden akustische Messverfahren zur seismischen Untersuchung eingesetzt. Die Messverfahren können die Kommunikation von Meeressäugern behindern und sie psychisch und physisch beeinträchtigen. Der Einsatz von Druckluftkanonen kann sogar zum Tod der Tiere führen.

Sobald ein neues Rohstoffvorkommen gefunden wurde, werden riesige Plattformen installiert. Der Abtransport der Rohstoffe erfolgt über Pipelines und Öltanker. Die Schiffe und Anlagen sind Wind und Wetter dauerhaft ausgesetzt. Beschädigungen durch Stürme und Hurricanes oder technisches und menschliches Versagen können gewaltige Umweltkatastrophen auslösen, die zum Teil bis heute andauern.

Zusätzlich werden bei der ohnehin schon gefährlichen Förderung, massenhaft Begleitgase verschwendet. Die Nutzung der Begleitgase ist in den meisten Fällen unwirtschaftlich, weshalb die Gase einfach abgefackelt werden.

Tiefseebergbau

Neben Öl und Gas gibt es natürlich noch weitere Rohstoffe, die im Ozean abgebaut werden. Dazu zählen metallhaltige mineralische Ressourcen wie Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfide. Sie enthalten sehr wertvolle Buntmetalle, Edelmetalle und Spurenmetalle.

Es handelt sich bei den Vorkommen allerdings nicht nur um Rohstoffquellen, sondern auch um einzigartige Lebensräume. Die dort ansässigen Meeresbewohner sind auf die metallhaltigen Knollen und Krusten als Substrat angewiesen. Daher werden die Lebensräume durch den Abbau der Rohstoffe unwiderruflich zerstört.

Zudem werden während des Abbaus haufenweise Sedimente aufgewirbelt. Die Sedimente werden durch Strömungen weitergetragen und können am Boden sesshafte Bewohner lebendig begraben.

Schifffahrt

Wie bereits erwähnt trägt besonders die Schifffahrt zur Verschmutzung der Ozeane bei. Dazu gehören aber nicht nur Fischerboote oder Öltanker. Auch Fracht- und Kreuzfahrtschiffe entsorgen regelmäßig Abwasser und Plastikmüllreste im Meer.

Giftige Schiffsabwässer entstehen zum Beispiel in einer Abgasreinigungsanlage. Die Anlagen sollen die Schiffsabgase von Schadstoffen befreien. Dafür wird in der Regel Meerwasser genutzt, dass mit den Abgasen in Kontakt gebracht wird. Bei dem Prozess werden die Schadstoffe aus dem Abgas „ausgewaschen“.

Des weiteren fällt, durch die Verwendung von Schweröl als Treibstoff, Ölschlamm in der Schiffsmaschinerie an. Eigentlich sollen die ölhaltigen Rückstände an Häfen abgeliefert werden. Für diesen Zweck werden spezielle Sammelbecken zur Verfügung gestellt. Es kommt allerdings laufend vor, dass die Rückstände auf offener See abgesondert werden.

Das selbe geschieht mit häuslichen Abwässern, die in den Sanitäranlagen der Schiffe entstehen. Mit an Bord sind natürlich Reinigungsmittel, Hygieneprodukte, Lebensmittel und Fäkalien.

Nährstoffe

Neben den giftigen Schadstoffen, stellt auch das Überangebot von Nährstoffen eine Bedrohung für das Leben im Meer dar. Über die Flüsse und die Atmosphäre werden die Nährstoffe aus der Landwirtschaft, der Industrie oder aus Kläranlagen in die Meere geleitet. Die Einleitung zu vieler Nährstoffe führt zu einer Eutrophierung.

Aufgrund der Nährstoffzufuhr erhöht sich die Produktion von Biomasse und der Sauerstoffgehalt des Gewässers sinkt ab. Es entwickeln sich sogenannte Todeszonen. Der Sauerstoffmangel führt zu einem massiven Sterben von Krebsen, Muscheln, Fischen und anderen Meeresbewohnern.

Eutrophierung ist nur selten ein natürlicher Prozess. In den meisten Fällen ist der Mensch für die erhöhte Nährstoffzufuhr verantwortlich.

– Schaumbildung durch Eutrophierung –

Medikamente

Arzneimittel sind in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung für die Menschheit. Doch wie bei anderen Schadstoffen, gelangen die Medikamente durch die unsachgemäße Entsorgung in die Umwelt. Sie werden in der Toilette oder im Waschbecken entsorgt und finden über das Abwasser schließlich den Weg bis ins Meer. Dort richten die Arzneimittel schwerwiegende Schäden an.

Die zahlreichen Wirkstoffe können die Meeresbewohner körperlich schädigen oder psychische Verhaltensänderungen herbeiführen. Dadurch kann die Fortpflanzung oder das Wachstum massiv beeinträchtigt werden. Selbst einfache Lebensformen, wie Plankton, sind davon betroffen.

„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

Munition und Waffentests

Die Grausamkeiten des ersten und zweiten Weltkrieges sind selbst in der heutigen Zeit noch spürbar. Die Ländereien und die Ozeane sind übersaht mit Munitionsaltlasten. Die Gefahr einer Detonation oder die Freisetzung von chemischen Kampfstoffen ist selbst nach Jahrzehnten noch gegeben.

Es handelt sich um Millionen Tonnen konventioneller und chemischer Munition, die überall auf der Welt versenkt wurden. Im Laufe der Jahre fangen die Metallgehäuse und Patronenhülsen an zu rosten und geben extrem giftige Schadstoffe in das umliegende Wasser ab.

Im zweiten Weltkrieg landeten durch Fehlwürfe auch viele Brandbomben im Meer. Für den Brandeffekt wurde oftmals weißer Phosphor verwendet. Dieser kann sich an der frischen Luft bereits bei Raumtemperatur von selbst entzünden. Weiße Phosphorbrocken sehen fast genauso aus wie Bernstein und viele Strandurlauber erleiden gefährliche Brandverletzungen durch eine Verwechslung mit den angespülten Brocken.

Ergänzend zu den Altlasten aus den zahllosen Kriegen, gibt es noch die regelmäßigen Tests von Waffensystemen und Bomben. Allein in den letzten 70 Jahren wurden über 2000 Atomwaffentests durchgeführt. Eine Vielzahl davon auf dem offenen Meer.

Millionen Lebewesen wurden durch die Tests getötet, verstrahlt oder verkrüppelt. Die Landschaft wurde selbst tief am Meeresboden zerstört und langfristig verstrahlt.

Energiegewinnung

Unter dem Begriff „Meeresenergie“ können sich die meisten Landbewohner nicht allzu viel vorstellen. Gezeiten-, Wellen-, Meereswärme-, und Osmosekraftwerke sind noch nicht weit genug entwickelt und tragen aktuell auch nur geringe Mengen zur weltweiten Energieproduktion bei.

Der Betrieb mit und im Salzwasser verursacht starke Korrosionen an den Anlagen, was den Wartungsaufwand erhöht und die Wirtschaftlichkeit bisher enorm senkt. Dennoch gibt es zahlreiche Anlagen und Prototypen, die bereits im Betrieb sind.

Eines steht allerdings schon fest: Für den Bau einiger Anlagen werden Lebensräume verkleinert, zerstört oder verändert. Fische, Aale und andere Tiere geraten in die Turbinen und werden zerquetscht. Der Anlagenbau, sowie die laufenden Kolben und Turbinen verursachen zudem Lärm, der sich unter Wasser verbreitet.

Lärmbelästigung

Die Meere sind ganz schön laut geworden. Der Lärm, der durch die Belastungen der Meere entsteht, ist für viele Arten eine starke Beeinträchtigung. Druckluftkanonen, Schiffsverkehr, Explosionen und Tiefseebaustellen führen zu Verhaltensänderungen und teilweise zum Tod der Tiere.

Zusätzlich stört der Lärm bei der Jagd und schreckt die Meeresbewohner ab. Das führt dazu, dass einige Tiere ihre Heimat verlassen und die Anzahl in den betroffenen Gebieten drastisch abnimmt.

Klimawandel

Der gegenwärtige Klimawandel wird hauptsächlich durch den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid ausgelöst. Allerdings ist das Treibhausgas nicht nur der Auslöser für den weltweiten Temperaturanstieg. Es wird auch in großen Mengen von den Meeren aufgenommen.

Die Druckunterschiede zwischen der Atmosphäre und dem Meer sorgen dafür, dass sich das CO2 im Meerwasser löst. Die Folge: Der pH-Wert des Wassers sinkt und die Meere übersäuern.

Von der Übersäuerung sind vor allem kalkbildende Organismen betroffen (Muscheln, Seeigel, Korallen, Seesterne usw.). CO2 kann als Gas ungehindert durch die Zellmembranen wandern und verändert so den pH-Wert des Blutes und der Körperzellen. Die Bildung der schützenden Kalkschichten wird erschwert und der vorhandene Schutzmantel löst sich regelrecht in Luft auf.

Außerdem hat der Klimawandel noch einen anderen negativen Effekt auf das Leben im Meer. Durch die Temperaturanstiege wandern immer mehr Arten in Richtung der Pole. Der frei gewordene Lebensraum wird von anderen Arten besetzt und das hat Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette.